Autoren Sternzeit: »Geschichten, die nie erzählt wurden« – Buchbesprechung

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Eine Anthologie ist eine themenbezogene Zusammenstellung ausgewählter Texte in Buchform. Dieses Buch hingegen ist ein Eintopf aus Zutaten, die thematisch von Sci-Fi über Krimi bis zu den Schützengräben des Ersten Weltkrieges reichen, wobei das Motiv »Weihnachten« zwar in den meisten Texten auftritt, aber nicht unbedingt einen gemeinsamen Stoff im Sinne einer thematischen Sammlung zu bildet, was auch weder im Titel noch im Einband nachgezeichnet oder im Klappentext erwähnt wird. Der blauäugige Tiger auf der Titelseite hat weder zu Weihnachten, zu dem Titel des Buches (»Sternzeit«) noch zu irgendeiner der Geschichten eine inhaltliche Beziehung.

Weiter im Text: Manche Geschichten in der Weihnachts- Sci-Fi- und der Krimi-Gruppe lesen sich inhaltlich und sprachlich (»meide Klischees wie der Teufel das Weihwasser …«) wie Hausaufsätze der Mittelstufe (erfreuliche Ausnahme »Sirona«). Andere Erzählungen befassen sich mit schmerzlichen persönlichen Ereignissen (und das zu Weihnachten!), die aber – wahrscheinlich mangels innerer Distanz – noch nicht zur Veröffentlichung gereift sind. Es ist bemerkenswert, dass das immer wiederkehrende Weihnachtsthema die Autorenschaft zu insgesamt fünf Krimigeschichten angeregt hat, Gewalt zum Fest, sozusagen. Die größte Gruppe der Beiträge besteht aus Mystery-Geschichten, was hier Sci-Fi ausschließt, aber Surrealismus nicht ausgrenzt.

Einige, der mehr geschmackvollen Erzähl-Happen in der dünnen Brühe der Eintopfsuppe sind die Beiträge von Hilde Willes, Lotte Weis, Zóka Schwab und Pofbanow – z.T. Pseudonyme. Es ist schade, dass in dem Buch keine weiteren Hinweise zu den Autoren (Kurzvita, Internetpräsenz, etc.) zu finden sind. Das hat zur Folge, dass der interessierte Leser weiterführende Hinweise zu anderen, vielleicht repräsentativeren Werken der Autoren, unter vielen ähnlich klingenden Namen im Internet zusammenklauben muss.

Die Bearbeitung zum Druck ist ästhetisch lieblos und hat es auch nicht geschafft alle orthografischen Fehler zu beseitigen. Fehlgriffe aus dem Regal der sprachlichen Instantsuppen wie »Spendenmarathon« oder »Leseabenteuer« (nach Wikipedia ist ein Abenteuer »eine risikoreiche Reise oder eine risikoreiche Erkundung eines Gebiets oder einer Räumlichkeit« und »die Risiken eines Abenteuers sind […] physische Schäden, psychische Folgen, Verluste und Schäden von Eigentum oder juristische Konsequenzen«) sind als Kuriosität hervorzuheben.

Aber was solls. Es ist ja für einen guten Zweck – möchte man denken, denn die Tantiemen sollen für einen »guten Zweck« gespendet werden, so verspricht es jedenfalls eine rote Vignette auf dem Einband. Allerdings gibt der Herausgeber (Olga Drocjuk) keinerlei Anhalt, was genau mit den Spenden unterstützt werden soll, ob damit religiöse Organisationen (Daesh?), der notleidende Kleintierzüchterverein oder oder die LGBT-Laientheatergruppe in Ouagadougou gefördert werden soll. Eine klärende Bemerkung oder ein Link zu diesem Thema wäre – von juristischen Aspekten mal ganz abgesehen – angebracht, um den Käufer gnädigerweise wissen zu lassen, wofür er (oder sie) seine dreizehn Euro ausgegeben hat, denn die Texte alleine sind es nur zum Teil wert.