»Hochwasser« – Eine Weihnachtsgeschichte, die im Regenwald spielt

Das Hotel, unten am Fluss, der vom Regen in den letzten beiden Wochen braunes Hochwasser führte, hatte gestern der Jahreszeit entsprechend weihnachtlich dekoriert. Wenn es weiter so regnete und der Pegel weiter stieg, dann würde der Bootssteg bald nicht mehr nutzbar sein und ich hier festsitzen. Für Wochen.

Wer es einrichten konnte, befuhr in dieser Jahreszeit den Fluss nicht mehr. Die Provinzhauptstadt und die nächste und letzte Anlegestelle des »Dampfers«, ein Kabinenschiff mit Dieselmotor, lag zwei, drei Reisetage stromabwärts. Von dort kam man nur mit Booten weiter, die flach genug waren, um durch die zwei Stromschnellen zu manövrieren, die dieses Dreckdorf von der letzten Station des Dampfers, dem letzten Außenposten der Zivilisation trennte. Das Gebiet im Umkreis des Dorfes, meist dichter Wald, galt als sicher. Und doch: Vor meiner Abreise in den Busch hatte mir jemand einen Zeitungsausschnitt zugesteckt, der beschrieb, wie das ganze Dorf von einer maskierten Gaunerbande überfallen und geplündert worden war. Kein Datum.
In diesem Jahr stand eine »Volkszählung« an. Das war die beschönigende Umschreibung, die die Ausländerbehörde benutzte, wenn sie fast jedes Jahr vor den großen Feiertagen ausschwärmten, um – wie sie sagten – Dokumente zu kontrollieren. »Das ist nur zu Ihrer eigenen Sicherheit«, gaben sie vor. In Wirklichkeit suchten sie irgendeinen Formfehler im Pass, einen verschmierten Stempel, ein falsches Datum, ein fehlendes Schriftstück – jede Ausrede war ihnen recht, um Geld zu pressen. Ich hatte das schon öfter erlebt, und es galt, den behördlichen Blutsaugern aus dem Weg zu gehen.

Ich hatte es mir schon Monate zuvor zurechtgelegt und passende Pläne ausgedacht, um während der Feiertage nicht in dem Kaff zu bleiben. Ich erwog, in die Provinzhauptstadt zu fahren, um dort in dem sauberen Gästehaus der Firma alleine zu sein. Oder, besser, mit dem zweimotorigen Buschflieger an die Küste weiterzureisen, falls es noch Plätze in der Maschine gab. Ich dachte an eine liebe Freundin, die ich dort einmal kennengelernt hatte. War sie noch dort? Nur hatte ich nicht mit dem Hochwasser gerechnet. Die Regenzeit war dieses Jahr zwei oder drei Wochen früher gekommen als in anderen Jahren.
Hotel war ebenfalls ein viel zu hochwertiges Wort für die Kaschemme, in der ich zur Zeit logierte. Es war kaum mehr als eine Sperrholzhütte mit zwei Etagen und einem Wellblechdach darüber, leider die einzige Übernachtungsmöglichkeit in diesem gottverlassenen Dorf mit seinen Straßen aus rotem Lehm, den schiefen Hütten und den kreischenden Affen im Wald, die mir die Nachtruhe raubten.

Weihnachtlich dekoriert war auch nicht das passende Wort für den Schnickschnack, mit dem sie sich bemühten, die Bretterbude herauszuputzen. Sie hatten buntes Zeug in der Lobby und im Gastraum aufgehängt, billige Papiergirlanden, blinkende Lämpchen, die sie mit blanken Drähten irrwitzig in die Steckdose gepfriemelt hatten. Die Zentralfigur in der Empfangshalle mit dem feuchten Bretterboden war ein lebensgroßer, innenbeleuchteter Weihnachtsmann aus dünner Plastikfolie, der von einem Gebläse aufgerichtet wurde. Der aufgeblasene Herr Santa bekam seinen Strom aus dem gleichen Stecker wie die Blinklichtgirlanden an der Decke, was dazu führte, dass jedes Mal, wenn die Lichterkette blinkte, die Spannung für einen Augenblick zusammenbrach und der Weihnachtsmann kurz in sich zusammensank, bevor das Gebläse ihn wieder aufrichtete. Dieses Gezappel gab dem Nikolausmann die Anmutung eines epileptischen Anfallsleidens, ein Anblick, der zum Fest des Friedens eher Mitleid erzeugte, als frohe Feiertagsstimmung zu verbreiten. Wenigstens hatten sie am Eingang kein aufblasbares und bunt blinkendes Rentier mit Schlitten aufgestellt; »Rudolph mit der roten Nase« war dieses Jahr nicht im Sortiment des örtlichen Kramerladens. Also Regenwald ohne Schnee und Rentierschlitten.
Die meisten der zwölf Gästezimmer, die an guten Tagen mit Flussreisenden belegt waren, waren schon seit Wochen unbewohnt. Die Wirtin, die die Spelunke betrieb, hatte mich eingeladen, ja fast angefleht, bitte doch noch ein paar Tage dazubleiben. Das Haus sei leer, sagte sie, sie hätte kaum Gäste. Mir schien eher, sie brauchte Gesellschaft für sich und für die junge Frau in der Küche, die abends an der Bar bediente und die wenigen Gäste mit ihrem freundlichen aber belanglosen Geschwätz unterhielt. Um ihrer Einladung mehr Gewicht zu verleihen, versprach die Wirtin, zwei der Hühner, die im Hinterhof gemeinsam mit den schwarz-weiß gefleckten Schweinen in der regendurchtränkten Erde scharrten, zum Fest zu schlachten. Sie plante, daraus etwas Feines zu kochen, wie sie sagte, »einen Braten auf offenem Feuer, mit Kräutern und anderen Speisen, die im Bananenblatt gegart werden«, trockenes Holz läge schon bereit.
Was kann man während der Regenzeit im Regenwald schon Besseres erwarten als nasse Kleider, Schuhe, die sich verschimmelnd auflösen, klammes Papier, Unterlagen, die von der Feuchtigkeit aufweichen, jeden Tag weicher werden und nach ein paar Tagen gar nicht mehr lesbar sind, und ein Laptop, dessen Kontakte unter der Feuchtigkeit trotz Pflege korrodieren und das System regelmäßig abstürzen lassen. Der dauernde Regen verscheuchte das Ungeziefer, das sonst meistens in dem trockenen Zwischenraum unter den Holzdielen herumkreuchte. Vom Regen vertrieben, krabbelten jetzt allerlei Käfer und vereinzelt ein giftiger Tausendfüßler durch die Ritzen im Holzboden.
Ich wollte weg. Weg aus der Hotelhütte, weg von der Wirtin, weg von der lächerlichen Ausstaffierung mit Girlanden und Blinklämpchen, die trotz meiner bemühten Nichtbeachtung doch immer wieder alte Bilder in meine Erinnerungen zurückbrachte. Ich war schon lange hier, zu lange. Wenigstens dieses Jahr wollte ich, wenn schon nicht daheim, zumindest an Weihnachten mit meinen Gedanken alleine sein.

Im Laufe der Wochen und Monate, die ich schon in diesem Nest zubringen musste, hatte ich die beiden anderen Dauergäste im Haus getroffen, war es aber leid, mit ihnen eine Unterhaltung anzufangen und sie näher kennenzulernen. Da war ein Asiate, der den Dörflern erstaunlich ähnlich sah. Er kam aus Japan oder Korea – es war mir wirklich egal, woher. Er trug immer einen Packen mit Dokumenten in einer Mappe mit sich herum und fotografierte alles und jedes mit seinem mobilen Telefon. Er schien manchmal für Tage in den Wald zu verschwinden, mitunter alleine, des Öfteren aber mit einem einheimischen Begleiter, der sein Gepäck schleppte. Ein anderer Gast im Haus war ein schweigsamer, arroganter Amerikaner, der sich jeden Abend besoff. Egal, auch er war keine Gesellschaft für mich. Er hatte eine Pistole. Ich sah das, als sie ihm – er war wieder voll – an der Bar aus der Tasche fiel. Gehörte er zur Polizei oder war es einer der Regierungsspitzel, die überall herumschnüffelten? War er einer von denen, die Berichte in die Hauptstadt schickten und unbezahlte Rechnungen hinterließen, wenn sie weiterreisten? Oder war er die Vorhut für die Industrie, für eine der unantastbaren internationalen Firmen, die ein neues Projekt im Wald planten? Nein, dafür war er zu geizig und nicht weltgewandt genug.
Ich wollte weg von hier und lieber alleine sein, als noch eine Woche oder noch einen ganzen Monat in diesem Nest zuzubringen. Weg aus dieser Holzhütte mit dem Wellblechdach, in der die junge Frau von der Bar einen Schlüssel zu meiner Kammer hatte, um mein Bett zu richten. Sie räumte die Wäsche ein, blätterte in meinen Notizbüchern und spielte an meiner Kamera herum. Sie drückte sich immer länger als notwendig in meinem Zimmer herum.
»Ist noch was?«
»Nein, danke, dann bitte lass’ mich jetzt alleine!«
Es fiel mir oft schwer, sie wegzuschicken, denn sie war zu kindlich und zu vertrauensselig, um sie wie ein Huhn zur Tür hinauszujagen.
Wenn ich länger schlief, setzte sie sich zu mir an den Rand meines Bettes und plapperte von allem, was ihr in den Sinn kam. Von dem Dorf, aus dem sie kam, warum sie ihren Eltern weggelaufen und wie sie mit dem Dampfer flussauf gefahren war. Wie sie eine Schamanin in diesem Urwalddorf gefunden hatte, die ihre erste Abtreibung vornahm; auf den Tag genau an Weihnachten vor vier Jahren. Wie sie zu dem Job in der Bar gekommen war; eine leichte Arbeit, wie sie sagte, und in jeder Weise besser, als an der Küste stinkenden Trockenfisch auf Schnüre aufzufädeln und, wenn Regen kam, schnell unter ein Dach zu tragen.
Uns alle im Hotel, uns Reisende verband, dass wir – aus verschiedenen Gründen – fast täglich etwas auf der »Post« zu verrichten hatten. Die sogenannte »Post« war auch nur eine andere Bretterbude, deren Besonderheit darin bestand, dass im Hof dahinter, zwischen den Bananenstauden, eine Satellitenschüssel zum Himmel aufblickte, zu irgendeinem Satelliten, der uns vormittags mit dem Rest Welt verband. Das gelang aber nur dann, wenn Kerosin für den laut klappernden Generator da war. Der Brennstoff kam in Kanistern vom Fluss. Der »Postmeister« sparte an Kerosin und der Generator lief daher immer nur ein paar Stunden am Tag, immer vormittags.
Wir alle aus dem Hotel brauchten den Satellitenanschluss, versuchten aber dabei, uns nicht zu begegnen. Es gab in der Posthütte nur zwei Steckplätze für Computer, und es war sinnvoll, so früh wie möglich dort zu erscheinen, um nicht auf dem Heimweg vom Regen, der immer mittags und nachmittags losbrach, durchgeweicht zu werden.
Ich wollte weg und hatte daher meinem Boss und dem Agenten unserer Firma in der Provinzhauptstadt per Satellit Bescheid gegeben, dass ich über die Feiertage nicht käme und eine Weile nicht erreichbar sein würde. Er brauchte sich nicht um mich zu sorgen.

Wochen später, wie befürchtet: Es hatte nicht aufgehört zu regnen, mehr als in anderen Jahren, und das Wasser im Fluss war weiter gestiegen. Es war somit unmöglich geworden, das Dorf zu verlassen, nicht durch den Wald und schon gar nicht über den Fluss, der mit Booten nicht mehr befahrbar war. Der Bootssteg, der auf Plastiktonnen schwamm, drohte jeden Moment von den Halteseilen abzureißen und mit der vehementen Strömung flussab zu treiben. Die zusammengelaufenen Dorfkinder warteten auf dieses Spektakel.
Ich musste einsehen, Weihnachten im Sperrholzhotel war nicht mehr zu vermeiden. Die Wirtin würde sich freuen.
Der Regen hatte seit drei Tagen nicht einmal für eine Stunde aufgehört. Ich versuchte, mich abends alleine mit Arbeit am Laptop abzulenken, schrieb seitenlange Mails und Briefe, blieb bis spätabends wach, las, oder sah den Bäumen in dem Licht vor meinem Fenster zu, wie sie sich im Regen wiegten. Das Wellblechdach in meiner Kammer tropfte an zwei Stellen und es war ratsam, die Eimer, die das Wasser auffingen, mindestens einmal am Tag auszuleeren.
Bei dem Lärm des prasselnden Regens auf dem Blechdach überhörte ich das Klopfen an der Tür. Das ›Mädel von der Bar‹ steckte ihren Kopf herein: Ich möge mich doch bitte unbedingt umziehen und jetzt runterkommen, das Weihnachtsabendessen sei fertig. Die Wirtin erbäte meine Gesellschaft. Die anderen Hausgäste säßen schon zu Tisch.
Da ich keinen guten Grund erfinden konnte, die Einladung abzulehnen, suchte ich das sauberste getragene Hemd aus dem Schrank heraus und machte mich über die knarzende Holztreppe auf den Weg nach unten in die Bar, die jetzt, mit einem großen Tisch in der Mitte, den Speisesaal bildete.
Die Wirtin und Gastgeberin saß am Kopf des Tisches. Der Japaner und der Mann mit der Pistole waren schon früher gekommen, hatten sich bereits die Servietten auf den Schoss gelegt und warteten. Das Brathuhn, mit Hackfleisch und Früchten gefüllt, duftete köstlich; die Beilage: gebratene Süßkartoffeln und gedämpfte Bananenherzen mit Curry. Gekühltes Bier aus Dosen wurde in die Gläser gefüllt, Kerzen flackerten auf dem Tisch.
Neben den Hotelgästen saßen drei andere Herren zu Tisch, vermutlich wichtige Männer im Dorfe oder von der Verwaltung flussab. Oder womöglich von der Ausländerbehörde. Einen davon kannte ich. Es war der Wachposten vom Bootssteg, der sich immer groß aufspielte, die Waren zählte, Boote aufschrieb und für alles und jedes Geld verlangte. Ich erfuhr, dass einer der drei Einheimischen, den gleichen Vornamen Kaspar wie ich trug. Die anderen Namen waren zu lang für mich, um sie zu behalten. Die Stimmung war steif und schweigsam.
»Lasst uns noch ein Gebet sprechen, bevor wir anfangen«, sagte die Wirtin, um von der gespannten Stille abzulenken. Sie hatte sich sichtbar Mühe gegeben, heute besonders gepflegt auszusehen. Sie trug ein dunkles Kleid mit einem großformatigen Blumenmuster und hatte – was ich an ihr bisher nie gesehen hatte – etwas Rouge auf die Wangen gelegt und die Andeutung einer Frisur – sie hatte sich die Haare geföhnt. Sie zeigte heute ihre weibliche Seite.
Mitten im Gebet – das »Herr, wir danken Dir für …« beziehungsweise das »Bismillah alrahman alrahim …«, in anderen Teilen der Welt, war noch nicht fertig ausgesprochen – ertönte unbekannter Lärm vom Hof. Stöhnen, Schreie, die kaum von einem Menschen und noch weniger von einem Tier stammen konnten. Ein Radau, wie wenn jemand stürzte, sich von außen gegen die geschlossene Tür warf, dort zusammensank und wimmerte. Wir erschraken. Ein Unfall? Ein Verbrechen? Mir fiel sofort der Zeitungsausschnitt wieder ein, den mir jemand im Büro zugesteckt hatte. Ein Überfall?
Der Amerikaner mit der Pistole stürmte voran zum Hinterhof, zu der Tür, von der der Lärm kam, etwas betrunken und daher furchtlos im Angesicht der Gefahr.
Nichts dergleichen, alles anders: Es war die trächtige Sau, die sich im Hinterhof ein Lager bereitete, um mit Ferkeln niederzukommen. Der Koreaner, offensichtlich mit solchen Situationen vertraut, kauerte sich neben das Schwein und massierte den Unterleib und die Zitzen, was der Sau erkennbar wohltat. Momente danach: das erste Ferkel, dann, jeweils nach zehn, fünfzehn Minuten, wieder eines. Insgesamt drei. Die Sau lag jetzt seitwärts auf ein paar trockenen Säcken und etwas Styrofoam und brummte erschöpft, aber ruhig. Die blutige Nachgeburt zeigte das Ende des Abferkelns an.

Der köstliche Braten, bislang noch unangetastet auf dem Tisch, war darüber kalt geworden, aber unsere Stimmung durch das unerwartete, aber an sich freudige Ereignis ungemein gelockert und aufgehellt. Wir schwatzten, stellten uns gegenseitig vor; mehr Bier wurde ausgeschenkt und wir erzählten von unserer Vergangenheit.
Dabei erfuhr ich, dass der Koreaner früher als Tierarzt gearbeitet hatte und jetzt, nach einem Zusatzstudium, hier im Urwald das Tierleben oder besser gesagt das Aussterben hoffnungslos bedrohter Arten studierte und mit Bildern dokumentierte.
Der Amerikaner outete sich im Gespräch als heimlicher Hippie. Er war aus der corporate world von Atlanta in den Dschungel weggelaufen, um seinem Leben eine neue Bedeutung zu geben oder diesem ein Ende zu setzen; er sprach jetzt verworren und undeutlich. Die junge Frau, die ihn stets an der Bar bediente, hatte nicht nur seinen Geist aufgerichtet und war hierüber in andere Umstände geraten. Sie gab ihm so ein neues Leben im Urwald. (War dieses Festessen womöglich eine Verlobungsfeier?)
Die drei Fremden hatten Geschenke für die Wirtin mitgebracht und packten sie jetzt aus: Ein Säckchen mit ungewöhnlichen Kräutern zum Räuchern, die im Dorf unmöglich zu bekommen waren und die er Monate zuvor im Osten, in China oder Taiwan, bestellt hatte. Das zweite Gastgeschenk war eine Art von Duftwasser, das gute Laune bereiten und böse Geister vertreiben sollte, wenn man es über einem Teelicht langsam verdampfte. Derlei Konsumartikel gab es nur in der Hauptstadt zu kaufen, es sei denn, man bestellte sie irgendwo und ließ sie von der Post anliefern. Die Räucher- und Duftsachen hatten eine praktische Seite, denn, so sagte man, sie sollten helfen, die Mücken zu vertreiben. Das dritte Geschenkpäckchen enthielt Gold, eine Art Amulett, für die Frau des Hauses, das sie sofort anlegte.
Im Laufe des Abends diskutierten wir ausgelassen, ob oder welche Namen wir den Schweinchen geben könnten, obwohl wir uns nicht im Geringsten im Klaren waren, ob die Ferkel weiblich oder männlich waren. Der Namensvorschlag »Donald« wurde sofort abgelehnt, gleichermaßen »Queen Lativa«. Andere Ideen waren Baxter, Baster und Buster oder Sokrates, Thales, Epikur – und Persephone für den Fall, dass eines der Ferkel weiblich sei. Wie zu erwarten, fand die Debatte kein Ende, aber wir hatten unseren Spaß. Die Wirtin spendierte freigiebig Schnaps aus der Bar, ohne wie sonst den Konsum akribisch aufzuschreiben. Der Amerikaner, jetzt mit kleinen, glasigen Augen, freute sich.

Die Muttersau im Hinterhof, inzwischen wieder bei Kräften, labte sich an den Resten vom Tisch, an den Süßkartoffeln und Bananenherzen. Die drei Ferkel raschelten in ihrem Korb mit eingestreutem Zeitungspapier. Sie quiekten schweinisch und freuten sich sichtbar und hörbar ihres gerade begonnenen, neuen Lebens. Weihnachtsfreude!